Klythemnestra
Diese Woche war es soweit, mein Jüngster hatte seinen letzten Schultag. Zumindest den letzten vor der FOS. Bekannterweise lebe ich ja als Hessin in Bayern und fühle mich auch wirklich größtenteils wohl hier. Aber bei dieser Schulentlassungsfeier musste ich doch einige Male den Kopf schütteln:
Das Ganze ging los um 16.30. Es gab eine Kleiderordnung: Tracht, oder zur Not Anzug. Wie erwähnt, sind wir Hessen. Ich kaufe doch dem "Kind" keine Lederhose, die es wahrscheinlich sein Lebtag nicht mehr trägt. Das "Kind" weigerte sich auch strikt eine solche zu tragen. Also gab es einen Anzug. Da Kly ja recht viel arbeitet, hatte das "Kind" den Auftrag die Hose des Anzugs bei der Schneiderin (unsere Vermieterin) kürzen zu lassen. Dazu waren gut zwei Wochen Zeit. Da denkt Frau doch, ein siebzehnjähriger könnte evtl. daran denken das auch zu machen.
Haste gedacht. Es ist 16.30, das liebe "Kind" schmeißt sich in den Anzug, die Hosenbeine wurden nicht von selbst kürzer. Also im Schweinsgalopp zur Schneiderin, um16.15 passte die HOse. Selbstverständlich kamen wir zu spät. Naja es war der obligatorische Gottesdienst, ich konnte das verkraften. Tobi war der Einzige im Anzug, alle anderen trugen Tracht. Dann ging es auf die gemeinsame Prozession von der Kirche zur Schule. Dort ging es dann nahtlos weiter.
Eine Dreiviertelstunde gab es dann einen Vortrag des Schulleiters mit ausführlicher Selbstbeweihräucherung. Drei mal hat er den Vortrag beendet. Ich denke, der aufbrandende Applaus feuerte ihn dazu an, weiter zu reden. Dabei klatschten die Leute ja nicht, weil er redete, sondern weil er aufhören wollte. Anschließend kam der Bürgermeister. Der redete genauso lange. Allerdings musste der wohl unter geistiger Verwirrung gelitten haben, so dass er wohl glaubte, er sei auf einem politischen Aschermittwoch oder einer Wahlveranstaltung für die CSU.
Dann kam der interessante Teil. Die eigentliche Schulentlassung. Die Klassenleiter hielten launige Reden, ich dachte eigentlich das Schlimmste wäre geschafft. Da ich mich ja aus dem öffentlichen Leben größtenteils raushalte und an diesem Abend ganz hinten saß, dachte ich, ich könnte das alles einfach nur über mich ergehen lassen, ein bisschen stolz auf meinen "Kleinen" sein und dann heimfahren.
Von wegen. Der Klassenlehrer meines Sohnes hielt dann eine kurze Rede, dann wollte er uns erzählen, was er wohl an dieser Klasse, die er immerhin vier Jahre betreut hatte, am meisten vermissen würde. Jetzt dachten natürlich alle, da sagt er was von Zusammenhalt oder Klassengemeinschaft. Nein der erste Satz, der kam war: ich werde Tobi vermissen, der immer eine wissenschaftliche Abhandlung, in reinem Hochdeutsch, zu nahezu jedem Thema vom Stapel lässt, anschließend seine philosophischen Gedanken dazu kund tut, ein lateinsiches Zitat in die Runde wirft und sich wieder hinsetzt. Wie gesagt ich dachte, es kennt mich eh keiner ... ja dachte ich.... schallendes Gelächter aus dem ganzen Plenum, alle drehten sich auf einmal zu mir um. Vorne klopften die anderen vor Begeisterung meinem Sohn auf den Rücken, die REde war erst mal unterbrochen. Ich wäre am liebsten in den Erdboden versunken. Ich meine ich weiß, dass ich da einen kleinen Klugsch..... groß gezogen habe, aber so schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt.
Natürlich hat der Lehrer dann über alle anderen Schüler auch noch seine Anekdoten erzählt, aber irgendwie war der Aufruhr bei keinem mehr so groß. Um 21.00 war dann endlich der offizielle Teil vorbei. Der offizielle Teil endete mit dem gemeinsamen Absingen der bayerischen Hymne. Sorry, wenn ich so etwas sagen muss, das wäre in Hessen undenkbar. Dort standen alle ganz gewissenhaft auf, ein Pianist intonierte die Hymne und alle sangen ergriffen mit. Es gab dann noch etwas zu essen und ich war um 1.00 dann endlich zu Hause.
Dort musste ich dann erst mal runterfahren und mich damit abfinden, dass mein Kind immer dafür gut ist, dass es irgendwo Aufruhr gibt. Warum habe ich ihm Sprechen beigebracht? Jetzt bin ich einfach froh, dass dieses Thema abgehandelt ist. Jetzt haben wir drei Jahre Zeit, bis wieder so ein Event ansteht. Vielleicht habe ich Tobi bis dahin beigebracht, dass man auch mal seinen Mund halten kann. Und bis dahin habe ich mich selbst hoffentlich auch erholt.
Liebe Grüße
Kly
Das Ganze ging los um 16.30. Es gab eine Kleiderordnung: Tracht, oder zur Not Anzug. Wie erwähnt, sind wir Hessen. Ich kaufe doch dem "Kind" keine Lederhose, die es wahrscheinlich sein Lebtag nicht mehr trägt. Das "Kind" weigerte sich auch strikt eine solche zu tragen. Also gab es einen Anzug. Da Kly ja recht viel arbeitet, hatte das "Kind" den Auftrag die Hose des Anzugs bei der Schneiderin (unsere Vermieterin) kürzen zu lassen. Dazu waren gut zwei Wochen Zeit. Da denkt Frau doch, ein siebzehnjähriger könnte evtl. daran denken das auch zu machen.
Haste gedacht. Es ist 16.30, das liebe "Kind" schmeißt sich in den Anzug, die Hosenbeine wurden nicht von selbst kürzer. Also im Schweinsgalopp zur Schneiderin, um16.15 passte die HOse. Selbstverständlich kamen wir zu spät. Naja es war der obligatorische Gottesdienst, ich konnte das verkraften. Tobi war der Einzige im Anzug, alle anderen trugen Tracht. Dann ging es auf die gemeinsame Prozession von der Kirche zur Schule. Dort ging es dann nahtlos weiter.
Eine Dreiviertelstunde gab es dann einen Vortrag des Schulleiters mit ausführlicher Selbstbeweihräucherung. Drei mal hat er den Vortrag beendet. Ich denke, der aufbrandende Applaus feuerte ihn dazu an, weiter zu reden. Dabei klatschten die Leute ja nicht, weil er redete, sondern weil er aufhören wollte. Anschließend kam der Bürgermeister. Der redete genauso lange. Allerdings musste der wohl unter geistiger Verwirrung gelitten haben, so dass er wohl glaubte, er sei auf einem politischen Aschermittwoch oder einer Wahlveranstaltung für die CSU.
Dann kam der interessante Teil. Die eigentliche Schulentlassung. Die Klassenleiter hielten launige Reden, ich dachte eigentlich das Schlimmste wäre geschafft. Da ich mich ja aus dem öffentlichen Leben größtenteils raushalte und an diesem Abend ganz hinten saß, dachte ich, ich könnte das alles einfach nur über mich ergehen lassen, ein bisschen stolz auf meinen "Kleinen" sein und dann heimfahren.
Von wegen. Der Klassenlehrer meines Sohnes hielt dann eine kurze Rede, dann wollte er uns erzählen, was er wohl an dieser Klasse, die er immerhin vier Jahre betreut hatte, am meisten vermissen würde. Jetzt dachten natürlich alle, da sagt er was von Zusammenhalt oder Klassengemeinschaft. Nein der erste Satz, der kam war: ich werde Tobi vermissen, der immer eine wissenschaftliche Abhandlung, in reinem Hochdeutsch, zu nahezu jedem Thema vom Stapel lässt, anschließend seine philosophischen Gedanken dazu kund tut, ein lateinsiches Zitat in die Runde wirft und sich wieder hinsetzt. Wie gesagt ich dachte, es kennt mich eh keiner ... ja dachte ich.... schallendes Gelächter aus dem ganzen Plenum, alle drehten sich auf einmal zu mir um. Vorne klopften die anderen vor Begeisterung meinem Sohn auf den Rücken, die REde war erst mal unterbrochen. Ich wäre am liebsten in den Erdboden versunken. Ich meine ich weiß, dass ich da einen kleinen Klugsch..... groß gezogen habe, aber so schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt.
Natürlich hat der Lehrer dann über alle anderen Schüler auch noch seine Anekdoten erzählt, aber irgendwie war der Aufruhr bei keinem mehr so groß. Um 21.00 war dann endlich der offizielle Teil vorbei. Der offizielle Teil endete mit dem gemeinsamen Absingen der bayerischen Hymne. Sorry, wenn ich so etwas sagen muss, das wäre in Hessen undenkbar. Dort standen alle ganz gewissenhaft auf, ein Pianist intonierte die Hymne und alle sangen ergriffen mit. Es gab dann noch etwas zu essen und ich war um 1.00 dann endlich zu Hause.
Dort musste ich dann erst mal runterfahren und mich damit abfinden, dass mein Kind immer dafür gut ist, dass es irgendwo Aufruhr gibt. Warum habe ich ihm Sprechen beigebracht? Jetzt bin ich einfach froh, dass dieses Thema abgehandelt ist. Jetzt haben wir drei Jahre Zeit, bis wieder so ein Event ansteht. Vielleicht habe ich Tobi bis dahin beigebracht, dass man auch mal seinen Mund halten kann. Und bis dahin habe ich mich selbst hoffentlich auch erholt.
Liebe Grüße
Kly
DANKE, KLY!!! Du hast mir den Tag gerettet. Ist ne sehr schöne Anektode aus deinem Leben bzw. dem deiner Familie. Hoffe Du hast noch mehr solcher Kinder und dass wir noch mehr davon lesen können.